Die Kirche in Betzigerode

Zur Geschichte der Kirchengemeinde Betzigerode

Das kirchliche Leben in Betzigerode begann Anfang des 16. Jahrhunderts mit der Errichtung des Gutshofes durch Heinrich von Löwenstein-Romrod. Zunächst gab es keinen eigenen Kirchenraum. Arbeitskräfte, die sich entlang des Scheren-Grabens angesiedelt hatten, wurden kirchlich durch den Pfarrer in Zwesten versorgt.

Eine Besserung des kirchlichen Lebens in Betzigerode begann erst nach Übernahme des Hofes durch die Cantzler-Witwe Goedehaus im Jahre 1723. Sie nahm einen Umbau es Herrenhauses vor, erweiterte ein für gottesdienstliche Zwecke bestimmtes Zimmer, errichtete einen Glockenturm, stiftete 1733 eine Kirchenglocke und kostbare Abendmahlsgeräte. Alle 14 Tage und am 2. Ostertag fand eine Predigt statt.

Betzigerode wurde schließlich Ende des 19. Jahrhunderts zur Filialgemeinde von Zwesten erklärt, ein Status, den es bis heute innehat.

Nachdem die Kapelle auf dem Gutshof stark baufällig geworden war, beschloss der Kirchenvorstand in den 1960er Jahren die Errichtung einer neuen Gemeindekirche. Am 9. Februar 1964 wurde die im modernen Stil konzipierte Kirche offiziell eingeweiht. Die alte Kirchenglocke sowie die Abendmahlsgeräte konnten einige Jahre später in die neue Kirche überführt werden. Dank einer großzügigen Spende konnten schließlich am Ostermontag 2006 ein wunderschöner neuer Altar und Taufstein, geschaffen durch den Künstler Ernst Groß, ihrer sakramentalen Bestimmung übergeben werden. Drei Jahre später wurde die Gestaltung des Altarraumes durch ein neues Kanzelpult aus den Händen desselben Künstlers vollendet.

Zur Gestalt der Kirche

Der moderne Sakralbau enthält nahezu keine rechten Winkel. So weisen viele Linien und Kanten außen wie innen nach oben. Dynamik und Bewegung suggeriert diese durchgängige eigentümliche Stilelement. Die Gläubigen werden durch diese vorherrschende vertikale Bewegungsrichtung dazu angeleitet ihre Sinne und Gedanken „in die Höhe“, zur Sphäre Gottes zu erheben.

Taufbecken, Altar und Kanzelpult nehmen diese Intention des Kirchenraumes ebenfalls au. Ihre Sockel sind – bei genauerer Betrachtung – allesamt leicht gedreht und verjüngen sich nach oben. Dabei stützt sich die Pultablage auf ein, die Altarplatte auf zwei und die Taufschale auf drei Stäbe, wodurch die trinitarische Einheit von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist anschaulich wird. Zudem erhalten diese rituellen Gegenstände etwas Schwebendes, leichtes, der „Erdenschwere“ Enthobenes.

Die Taufschale, die den Eintritt in die Gemeinschaft der Christen repräsentiert und daher links nahe dem Lichtfenster ihren Platz einnimmt, enthält Füllungen in Form eines Mosaiks aus zahlreichen kleinen Holzstücken. Unterteilt sind sie in acht Außenflächen als Symbol der Unendlichkeit. Im sinne des Künstlers ist so die große Zahl der Getauften in ihrer Individualität vom Ewigen umschlossen. Das gleiche Motiv nimmt auch das Kanzelpult auf mit seinen vier festen Säulen, die das Pult tragen und das innen eingebettete Holzmosaik umfassen.

Einen dynamischen Zug gewinnen schließlich Kreuz und Altarplatte, die beide in ihrer Stärke zur Mitte hin zunehmen. So leuchtet hinter dem Karfreitagsgeschehen vorsichtig etwas vom Heilbringenden des Todes Jesu am Kreuz auf. Die sich ebenfalls nach außen hin verjüngende Altarplatte, auf der die Heilig Schrift verlesen wird sowie Brot und Wein als Repräsentanten der Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Herrn gereicht werden, unterstützt durch ihre Form und Stellung unterhalb des Kreuzes diese Wirkung.

(Pfarrer Dr. Daniel Bormuth)