Die Kirche in Wenzigerode

Bonifatius kommt 721 auf den Büraberg bei Fritzlar. Er soll östlich des Rheins das Christentum verbreiten. Wenzigerode taucht dann 1335 in einem so genannten Ablassbrief als ein Ort des Kirchspiels Büraberg auf, mit einer Filialkirche.

Wenzigerode, der Name kommt wohl von unserem deutschen Wort winzig, könnte ursprünglich „Kleine Rodung" geheißen haben. Das Dörfchen war durch seine Grenzlage zwischen Waldeck und Hessen lange ein Zankapfel zwischen den Grafen von Waldeck und den hessischen Löwensteinern, an deren Stelle dann die hessischen Landgrafen traten. Seit 1738 gehörte Wenzigerode politisch dem hessischen Landgrafen, damit kirchenrechtlich zum Konsistorialbezirk Kassel, also zum reformierten Bekenntnis, auch wenn die Pfarrer weiterhin aus dem lutherischen Waldeck, nämlich aus Mandern, kamen. Nach 1945 wurde Wenzigerode dann ein Teil des Kirchspiels Zwesten.

Die jetzige Kirche wurde zwischen 1931 und 1934 erbaut. Der damalige Reichspräsident Hindenburg übersandte eine Altarbibel mit Widmung. Diese wurde leider in den 70er Jahren gestohlen. Im Jahre 1973 erfolgte eine gründliche Sanierung der Kirche. Später wurden dann die zwei Stahlglocken, welche die beiden Vorgängerinnen ersetzten - sie wurden im zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen - mit einem elektrischen Läutewerk versehen.
An der Kanzel findet sich die Jahreszahl 1687. Wir wissen, dass eine damals vorhandene Kirche nach dem 30-jährigen Krieg erweitert wurde. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich nach den Kriegswirren von 1618 bis 1648 wieder ein Stück Hoffnung bei den Menschen einstellte, für die sie Gott danken wollten.

(Pfarrer a. D. Wilhelm Philippi)